Helene Hering-Herber

Malerei // Paintings

Atelieröffnung

Das Atelier ist an jedem 1. Samstag im Monat von 11 – 17 Uhr geöffnet.
Start: 7. Januar 2012

feste, nicht öffentlich zugängliche Ausstellung

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Träume und Trümmerhaufen

Copy-Art Collagen Chemigramme

Als ich die Bilder von Helene Hering-Herber zum ersten Mal gesehen habe, konnte ich mir kaum vorstellen, wie sie entstanden sind. Es sind geheinmisvolle, meist verträumte, erotische Werke. Sie verarbeitet gewöhnliches Material wie Zeitschriften, Fotos und Copies in einer Weise, in der ganz verschiedene Arbeitstechniken zu einem Bild zusammenfließen. Was dabei herausgekommen ist, könnt Ihr euch am Freitag in der Frauenkneipe Paramount angucken.

Helene ist 1946 im Trümmerhaufen von Frankfurt geboren und scheint es immer noch nicht verlernt zu haben, aus Abfallprodukten etwas Neues zusammenzufügen. Das, was andere Leute als Altpapier gebündelt auf die Strasse stellen oder das, was sie zu Reinigungszwecken in ihr Klo schütten, benutzt Helene als künstlerisches Arbeitsmaterial.

Ihre Copy-Arbeiten sind nicht schwarz-weiß, wie sich zunächst vermuten ließe, auch arbeitet sie nicht mit einem Farbcopierer. Sie reproduziert ihre Original-Foto- und Schnittcollagen auf Overhead-Folien (auch als Astralon bekannt) und verfremdet sie teilweise durch Vergrößerungen. Danach hinterlegt sie sie mit Alu- oder Goldfolie, coleriert mit Glastransparentfarbe oder Filzstift und überzieht sie mit einer farbigen Folie. Die Verfremdung von Schwarz-Weiß- oder Farbfotografien erreicht sie durch Besprühen mit einer ätzenden Substanz (Kloreiniger). Durch das Bewegen der Fotografie beeinflußt sie die Verteilung des Ätzmittels. Nach reichlicher Wässerung werden die Fotografien mit Eiweißlasurfarbe coloriert und teilweise auch zu Schnittcollagen verarbeitet. Helene hat, wenn sie zu arbeiten beginnt, keine festgefügte Vorstellung im Kopf, nach der sie ihre Bilder zusammenfügt. Sie wälzt ihr Material mehrmals durch und läßt ihre Intuition bestimmen, was zusammengehört. Sie geht zunächst nach rein ästehtischen Kriterien vor, die wiederum gedankliche Assoziationsketten bei ihr auslösen, wie etwa “Worte in Stein gehüllt fallen assymetrisch auf die Melodie” oder “Aber eine Zeit der wahnsinnigen Zerstörung reproduziert nur sich zerstörende Wahnsinnige. Einzig die Utopie, nicht dazuzugehören, erhält uns am Leben.”

Helenes Bilder sind phantastisch, surrealistisch, geheimnisvoll. Sie sind nur intuitiv zu verstehen, so wie sie entstanden sind. Sie sind Auslöser für Träume und jede soll dieses Geheinmis für sich lüften.

taz – 30. September 1983