Helene Hering-Herber

Malerei // Paintings

Atelieröffnung

Das Atelier ist an jedem 1. Samstag im Monat von 11 – 17 Uhr geöffnet.
Start: 7. Januar 2012

feste, nicht öffentlich zugängliche Ausstellung

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Zwischen · Zeit · Raum

Ausstellung vom 7. – 30. April 2006
im Kunstverein Eisenturm e.V. – Mainz

Zwischen · Zeit · Raum - Flyer Vernissage

Musikalische Gestaltung
Christopher Bihn – Berlin

“Die Gitarre wirkt in diesem Fall nicht als Begleit- oder Soloinstrument, vielmehr lässt sie zu, einen Ton zu finden, wobei der Musiker nur den Anstoß gibt.
Die Melodien, Sounds, Pattern und Grooves werden konstruiert und
dekonstruiert, bis sie Klang werden und neuen Klang erzeugen.
Zusammen mit den Bildern von Helene Hering-Herber, ergeben sich Ahnungen, deren Klang Erinnerung wird.”
(Christopher Bihn)

Auf der Website des Kunstverein Eisenturm Mainz e.V. befindet sich seit kurzem eine Fotogalerie zur Ausstellung Zwischen · Zeit · Raum, über deren Besuch ich mich freuen würde.

Adresse
Kunstverein Eisenturm Mainz e.V.
Rheinstraße 59
55116 Mainz

Einführung am 7. April 2006
Dr. Otto Martin

Sie hat sich in ihrem Leben in vielerlei versucht, aber immer wieder in Augenkünsten. Werkkunst, Ausstellungen und Messen, Film, Collagen, Foto. Frauenfilm-Projekte, eigene Filme. Seit den Neunzigern dann ist sie angekommen bei der Königin der Augenkünste, der Malerei – aber was sie darunter versteht, im Handwerklichen, ist beileibe nicht beschränkt auf Leinwand, Pinsel, Farbe. Ihre Lust aufs Experimentieren mit Material kennt keine Grenzen. Metall, Eisen, Rost, Kies, Sand, seidiges Papier geschichtet und, und, und …

Die fragmentarischen Codes, die diesen Gebilden eingewebt sind, können Fingerzeige sein oder Irritationen; zur platten Deutung im Sinn von Deutlich-Machen tragen sie keinen Deut bei. Denn sie verweisen nicht aufs nächste Objekt der gleichen Bewusstseinsebene, sondern werfen den Betrachter auf sich selbst zurück. Sie verwirren.
In den Bildern von Helene Hering-Herber ist Schicht auf Schicht gelegt, so dass verschiedene Elemente manchmal den Charakter von Stein gewinnen, wirklich und unwirklich zugleich. Reliefartig treten Strukturen hervor, unvermittelt kräftige Farben, vor allem das Blau.

Da gibt es also dieses Blau. Das wirkliche Blau. Blau auf Blau. Die Farbe des Geheimnisses, der Mystik schlechthin. Blaue Inseln im Meer von erdigem, irdischem, blutigem Rotbraun. Aber halt! Sind es wirklich Inseln? Oder schweben die Blaus gar nicht auf dem Erdigen, sondern leuchten nur unter ihm hervor, lugen gleichsam durch die Risse? Da sprengt eine Eruption von Blau das urzeitliche Gewusel der anderen Farben. Befreiung oder Bedrohung? Blau ist kalt und leuchtend. Hat es nur sich selbst im Sinn, seine Herkunft von irgendwo oder deutet es auf etwas hin?

Wir wären in dieser „Blau-Betrachtung“ noch lückenhafter als wir es ohnedies sein müssen, wenn wir nicht den geistigen Garanten deutscher Zunge zitierten: Goethe. Goethe begreift die Phänomenologie des Blaus:
„(Blau) macht für das Auge eine sonderbare und fast unaussprechliche Wirkung. Sie ist als Farbe eine Energie; allein sie steht auf der negativen Seite und ist in ihrer höchsten Reinheit gleichsam ein reizendes Nichts. Es ist etwas Widersprechendes von Reiz und Ruhe im Anblick. Wie wir den hohen Himmel und die fernen Berge blau sehen, so scheint eine blaue Fläche auch vor uns zurückzuweichen. Wie wir einen angenehmen Gegenstand, der vor uns flieht, gern verfolgen, so sehen wir das Blaue gern an, nicht weil es auf uns dringt, sondern weil es uns nach sich zieht.“

„Blau ist dasjenige, was den Menschen innerliches Wohlbehagen bereitet, wo er sich sagt… Da kann ich leichter leben, in dem Blau“, so Rudolph Steiner, der Anthroposoph, der Begründer und Philosoph der Waldorfschulen.

Farbtherapeutisch wirkt Blau zusammenziehend und führt nach innen, bis hin zum eigenen Unbewussten. Es harmonisiert und beruhigt und dient der Entspannung. Es dämpft die Erregtheit und Nervosität, es fördert die Kommunikation, Sachlichkeit und Präzision der Gedanken. Blau ist die Farbe der Meditation. Blau steht für Verlässlichkeit, Geradheit und Wahrheit und schafft die Voraussetzung zur Wissenschaftlichkeit und Objektivität.

- Blau ist die Farbe als Hintergrund bei politischen Veranstaltungen, für
Nachrichtensendungen, als Bestuhlung – Blau beruhigt. – Delinquenten, die vor Gericht erscheinen, wird aus farbpsychologischer Sicht
dunkelblau als Bekleidungsfarbe empfohlen – es wirkt ehrlich und gesetzt, aber auch schutzwürdig, weil depressiv, passiv. – Blau ist – seit es statistische Erhebungen gibt – die Lieblingsfarbe der Deutschen mit knapp 40 % weit vor dem rotorangen Bereich. Gelb und grün sind am Unbeliebtesten.

Wir möchten dies nun nicht politisch ausdeuten – es ist die Farbe pur hier – die Farbe als Materie wie sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts einem Urknall ähnlich sich selbst zu inszenieren begann und dies nicht nur innerhalb der künstlerischen Avantgarde französisch/spanischer Provenienz nein, europaweit brannte ein neues künstlerisches Wollen, das Paul Delaunay in einem Brief auf den Punkt brachte: „Die Farben mit ihren Gesetzen, ihren Kontrasten, ihren langsamen Vibrationen in Bezug zu schnelleren und sehr schnellen Vibrationen, ihren Intervallen. Alle diese Beziehungen bilden die Basis der Malerei, die nicht mehr imitativ, sondern durch eben diese ihre eigene Technik selbst schöpferisch ist“.

Dies bedeutet die Proklamation, ja die Revolution der „freien Farbe“ – frei von der Festlegung auf einen bestimmten Gegenstand. (Früher hat Hering-Herber ihre Bilder durchnummeriert.)
Die freie Farbe ist also im Gegensatz zur Oberflächenfarbe – die einem Gegenstand verpflichtet ist – frei von einer bestimmten Mikrostruktur, einer bestimmten Dichte und einer bestimmten Lokalisation. Dabei entsteht ein von der Künstlerin durch emotionale und rationale Entscheidungen geschaffenes System, in dem sich die Darstellungen wechselseitig durch formale und farbige Kontraste steigern und durchdringen.
Diesen Dialog der weitgehend autonomen Farben, die zu immer reinerem Ausdruck drängen, ist die Malerei von Hering-Herber zweifelsohne mehr als nur verpflichtet. Sie findet dort ihren künstlerischen Urgrund.

Das allgemeine terminologische Dach der Kunstgeschichte hierfür: die konkrete Malerei, eine ungegenständliche Richtung der modernen Malerei. Dies soll hervorheben, dass die Gestaltung hierbei nicht von einem Abstraktionsvorgang ausgeht – was bedeutete: Gesehenes bildnerisch zu transformieren sondern, dass Linien, Farben, Flächen, Kontraste, Räume als autonome künstlerische Mittel eingesetzt werden … Die Farbe ist nicht Träger, nicht gesetzt für etwas, sondern Gestalt an sich.

Die Farbe als eigene gestaltende Qualität in reichster Entfaltung – die Farbe selbst, ist hier konkrete Gestalt: Sie ordnet sich in Akkorde und chromatische Passagen, Farbschattierungen, die sich kontrastieren oder durchdringen und dem Flächendekor selbständige Spannung geben. Die Raumordnung wird allein durch die Distanzwerte der Farbe hergestellt und erscheint als bewegtes Flächenrelief. Was sich darauf konkret entwickelt, ist eine Farbveranstaltung pur: die Farbe ist ganz freigelassen und tritt in sinnlicher Fülle auf die Leinwand. Sie allein trägt das Bild… Sie ist sich selbst genug.

Man bewundert dabei natürlich vor allem die malerische Delikatesse dieser Bilder … Nimmt wahr, dass neben den Geschichteten, pastosen Farbflächen ebenso die Leichtigkeit der Farben ausgespielt wird … dass sich zuweilen Farbnebel oder ein Farbdunst über die Bilder ziehen, die die Frage provozieren: Wie gekonnt, wie delikat dies realisiert ist.. Ihre Bilder sind nicht laut. Sie tragen in sich eine Stille, die überspringt, weil es eine Stille ist ohne Aufforderung; das vordergründige Appellative bleibt ihnen fremd.

Abschließend ein Zitat von der Autorin Waldtraut Lewin (- die sie wohl sehr gut kennt -):

„Hering-Herbers Kunst ist nicht zu übersehen. Da kommt man nicht dran vorbei – schon am Format nicht. Da hängt sie, sie kann nicht anders, und Gott hilft ihr gewiss. Ihre zwischen Himmel und Erde wohnenden, also irdischen Gebilde sind ernsthafte Spiele im Raum, den wir bewohnen und dessen Geheimnisse sie uns enthüllt, indem sie sie verbirgt. Was gibt es Besseres?
Hering-Herber – von Insidern HHH genannt, ist ein glückliches Wesen. Sie muss es sein.“