Helene Hering-Herber

Malerei // Paintings

Atelieröffnung

Das Atelier ist an jedem 1. Samstag im Monat von 11 – 17 Uhr geöffnet.
Start: 7. Januar 2012

feste, nicht öffentlich zugängliche Ausstellung

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spurensuche. namenlos.

Ausstellung ab 29. Oktober 2004
“Bikinihaus” – ehemals Staatliche Kunsthalle Berlin

spurensuche. namenlos. - Flyer Vernissage Musikalische Begleitung
Leslie Leon – Mezzosopran
Morton Feldman (1926 – 1987), aus: “Three Voices”
Hildegard von Bingen (1098 – 1179) “Ave generosa” (hymnus)

Adresse
“Bikinihaus” – ehemals Staatliche Kunsthalle Berlin
Budapester Str. 46 – 3. OG
10787 Berlin

Vernissage: Freitag, 29. Oktober 2004 – 19 Uhr

Einführung
Einführung von Sabine Süß „spurensuche.namenlos“

Wir sind hier von Bildern Helene Hering-Herbers umgeben, die fast alle in den letzten zwei Jahren entstanden sind. Venedig steht geschrieben, Sizilien – Orte des Lichts. Und Licht sehen wir, Schattierungen, Brechungen, plastische Ausformungen von musterartigen Flächen, so wie sie nur durch bestimmten Lichteinfall vor unseren Augen entstehen können. Pigmente auf Leinwand. Diese fast lautmalerische Materialbeschreibung klingt so betörend, wie die leuchtenden farben und bildhaften Kompositionen die Sinne verwirren und verführen.

Als wir uns über ihre Bilder unterhielten, sagte Helene, nicht sonderlich geneigt, zuviel mitzuteilen, und „dann wird gemalt“. Dieser kurze knappe Satz birgt so viel Erzählung in sich, wie ihre Bilder Farbe und Geste gewordene Dokumente einer langen Auseinadersetzung mit sich und ihren Entdeckungen bei der Spurensuche sind.

Bevor ein erstes Pigment die leinwand berührt und sich mit ihr verbindet, haben Helenes Augen, ihr Geist und ihre Seele eine lange Reise gemacht. Nicht nur wenn wir Venedig hören und Sizilien, können wir uns das vorstellen. Doch die eigentlich lange Riese ist die immer langsamer werdende Bewegung der malerin, wenn ihr Blick die Umgebung nach Spuren absucht und dabei gleichsam wie in Zeitlupe mit dem inneren Brennglas zu sondieren beginnt. Und wo der an ihr vorbeieilende Zuschauer lediglich einen Frau wahrnehmen würde, die stillsteht und aufnimmt, die Umgebung absucht und aufsaugt, und sie unmerklich innerlich ablichtet.

Aber damit nicht genug. Erinnern wir uns nicht alle an die schönsten Momente am Strand beim Muschelsuchen, wenn die Wellen immer neues Material an unsere Füße spülten und wir vor lauter Erleben kaum noch richtig hinschauten? Und wie groß die innere Sensation war, wenn wir beim Gehen beschlossen, nach den kleinen weißen Muscheln zu greifen und dabei immer langsamer wurden, fast zum Stillstand kamen, und je langsamer und genauer wir schauten, desto mehr Muscheln fielen uns auf, desto mehr konnten wir sehen. Aus dem großen Bild hoben sich die einzelnen Kostbarkeiten ab. So stelle ich mir die hellsichtige innere Bewegung von Helene Hering-Herber vor, während die äußere Kraft pure Konzentration ist.

Bemerkenswert, aber nicht verwunderlich, dass gerade Helene Hering-herber es vermag, die Zartheit und Kantigkeit des Ausschnitts, des einen richtigen Augenblick-Blicks einzufangen. Sie sucht mit der Präzision eines Fährtenlesers nach der Geschichte im Augenblick, just des Moments, in dem sie ihn erwischt und bannt.
Erst da beginnt die zweite Etappe der reise, auf die sie die Betrachter schickt, auf die sie uns schickt. Die der maßlosen Vergrößerung dieses einen unendlichen Wimperschlags des Augenblicks.

Den Weg, den Helene Hering-Herber in ihrem malerischen Ausdruck bereits beschritten hat, ähnelt dieser beschriebenen und von mir empfundenen Bewegung. Mit jedem großen Schritt und gleichzeitiger Verlangsamung, mit jedem Innehalten und Konzentration auf die aus der Umgebung und Situation geborenen Augenblicke, werden die wesentlichen Kräfte ihrer Malerei deutlicher. Es ist so, als ob ein Kreis sich beginnt zu schließen.
Mit dem Licht ist auch das Blau zurückgekehrt. Wie es mir scheint, nicht das Blau des Himmels, das mystische, alles überstrahlende. Eher das des Wassers. Kräftig, kraftvoll, bisweilen zerstörerisch, schmeichelnd sanft und fließend. Rost, heißt ein material, Wellenbewegung ist zu spüren, zu ahnen das Beißende, Nagende des Nebels, gepaart mit der Wandlung durch Vergänglichkeit.

So wie sie mit jedem Bild das Ende einer weiteren Etappe ihrer Spurensuche markiert, so beginnt mit jedem Bild, dem wir uns von ihr nähern, unsere eigene Spurensuche. Wie weit muss die Entfernung zum Bild sein, damit wir den Augenblick erhaschen, den nur wir erkennen können, und den wir nur erkennen können, wenn das Tempo stimmt? Bis wir den Augenblick am nahsten sind, dem geeigneten Moment, um unsere eigene Fährte aufnehmen zu können?
Lassen Sie uns schauen und spüren und hören.

Helene Hering-Herber hat beglückt erzählt, dass mit der Stimme Leslie Leons, die wir gleich hören werden, ein ganz neuer Klang zu ihren Bildern stößt. Ein Klang, der wie auch dieser spezielle Ort mit dem Blick auf das satte Blau der Kirchenfenster draußen, ihre Bilder in einen neuen Kontext rückt. Ein genialer Augenblick, unwiderruflich. Und doch – vielleicht entdecken wir ihn wieder, Pigment auf Leinwand. Namenlos. Von Helene Hering-Herber.