Helene Hering-Herber

Malerei // Paintings

Atelieröffnung

Das Atelier ist an jedem 1. Samstag im Monat von 11 – 17 Uhr geöffnet.
Start: 7. Januar 2012

feste, nicht öffentlich zugängliche Ausstellung

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Ferne Orte. Fremde Zeichen.

Ausstellung ab 13. Januar 2007
“Bikinihaus” – ehemals Staatliche Kunsthalle Berlin

Ferne Orte. Fremde Zeichen - Flyer Vernissage Musikalische Gestaltung
Leslie Leon – Stimme
Christopher Bihn – E-Gitarre
Mela Meierhans: “Enigma” (2000)
nach I. Bachmann
Version für Stimme und E-Gitarre
Adresse
“Bikinihaus” – ehemals Staatliche Kunsthalle Berlin
Budapester Str. 46 – 3. OG
10787 Berlin

Vernissage: Samstag, 13. Januar 2007 – 18 Uhr

Einführung
Einführung am 13. Januar 2007 – Anke Bihn

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich begrüße Sie heute Abend zur Vernissage der Ausstellung „Ferne Orte. Fremde Zeichen“ der Malerin Helene Hering-Herber.

Ich habe in den letzten Jahren einige Ausstellungen der Künstlerin sehen dürfen und lasse mich immer wieder gerne aufs Neue von diesen ungewöhnlichen Bildern verwirren. Nicht die Farben und Formen führen mich in die Irre, sondern ich selbst als Betrachter suche immer wieder meinen eigenen Raum in diesen Bildern: Kaum habe ich mich entschieden, Schiffe, Tempel und Treppen zu erkennen, schüttle ich die Konturen in meinem Kopf ab und versuche mich zu überzeugen, dass diese Traumwelten kaum Gegenständliches mit sich führen. Habe ich diese Entscheidung dann endlich getroffen, drängen sich schon wieder neue Motive auf, als wollten sie mir einen Vorwurf machen, dass ich sie eben noch verleugnet habe.

Die heutige Ausstellung von Helene Hering-Herber ist in vielfacher Hinsicht neuartig und erstaunlich. Zum einen tragen viele Bilder plötzlich Titel. Die Malerin ist weit davon entfernt, ihre Bilder durch ein Wort interpretieren zu wollen – oder gar dem Betrachter einen Weg ins Bild vorgeben zu müssen. Der Grund für die Betitelung ist vielmehr profan und findet und findet sich in der immensen Produktivität und der seit sehr langen Schaffensphase der Künstlerin: Seit über 15 Jahre stellt Helene Hering-Herber nun ihre Malerei aus. Davor hat sie mit Film und Video gearbeitet, vielfach geehrt und ausgezeichnet, schenkt sie uns seit 1990 ihre meist großformatigen Bilder.

Zum anderen haben neuerdings auch mehr und mehr Buchstaben ihren Weg auf die Leinwand gefunden. Buchstaben, gerade die Zeichen vom Menschen geschaffen, die die konkreteste Bedeutung tragen, eigentlich doch nur dazu geschrieben, um Kontingenzen zwischen Schreibendem und Lesendem zu vermeiden, zu unterdrücken. In Helenes Bildern weigern sich diese Zeichen, dem Betrachter einen einzigen Weg anzubieten. Die Buchstaben verstecken sich hinter Formen und Farben, hinter Blau und Rost, hinter Strukturen und Flächen und Tiefen, die Buchstaben verlieren als Bruchteile vollends ihre Funktion des schnellen Sinntransports, führen sich selbst ab absurdum.
Diese Zeichen genügen sich selbst.

Helene Hering-Herbers Bilder begleiten den Betrachter noch Tage und Wochen nach dem ersten Sehen. Sie werden es gleich erleben: Sie werden ferne Orte und fremde Zeichen heute Abend anschauen, Sie werden sich wie ein Zuschauer vorkommen, wie ein Spurensucher. Sie werden Strukturen, Farben und sogar Fasern auf den Leinwänden entdecken. Sie werden den richtigen Abstand zum Bild suchen, sich vielleicht sogar fragen, welcher Abstand der einzig richtige sein mag – und Sie werden hoffentlich darauf verzichten, die Malerin danach zu fragen. Sie werden in tiefe Welten hineinschauen.
Und dann werden Sie den Raum verlassen. Sie werden sich verabschieden und gehen. Zurück in die Welt.
Und dort werden Sie sich plötzlich erinnern.
Nicht an Motive, die kaum mehr angedeutet sind in den Bildern.
Sie werden sich an die Andeutung erinnern.
Und vielleicht werden Sie sich auch an die Erinnerung erinnern.
Vielleicht erinnern Sie sich so stark, dass Sie in den nächsten Tagen erneut in diese Ausstellung im ‚Bikinihaus’ kommen. Sie werden die gleichen Bilder anschauen, die Ihnen, mit nur ein paar tagen Abstand, neue Geschichten erzählen werden. Die fremden Spuren haben das tiefe Blau beibehalten, den stillen Rost, als stamme er aus einer Zeit, die man betrachtet und teilt.

Maurice Halbwachs, ein französischer Soziologe und Philosoph, arbeitete zeitlebens über die Zusammenhänge zwischen individuellem und kollektivem Gedächtnis – eine Unterscheidung, die in den Bildern von Helene Hering-Herber unvermutet einen künstlerischen Ausdruck findet. Die Annahme von der scheinbar kollektiven Erinnerung wird auf den Kopf gestellt: Nicht die Gruppe erinnert, sondern das gemeinsame Wiedererkennen ist die Basis, die das Verständnis zwischen den Beobachtern überhaupt erst ermöglicht.
Halbwachs schrieb, das Gedächtnis ist ein Punkt, schwebend in einem Raum, aufgespannt an vielen Fäden, jeder einzelne eine Erfahrung, ein Bild, ein Gespräche. Und mit jeder Erfahrung kommt auch ein neuer Faden hinzu, positioniert das Gedächtnis neu im Raum, dort nimmt einen neuen Platz ein, von dem aus es sich fortan selbst betrachtet.

Helenes Bilder haben die seltsame Eigenschaft, nicht nur Erinnerungen zu erinnern, sondern auch die Fäden, an denen sie hängen.
Ich habe viele Bilder der Malerin gesehen.
Und es scheint, als erinnere ich mich, wenn ich diese Bilder sehe.
An Orte, an denen ich nie gewesen bin.
An Menschen, denen ich nie begegnet bin.
Ich lade Sie ein, mit den Bildern von Helene Hering-Herber fremde Spuren zu erinnern, die Ihnen vielleicht morgen schon, wenn Sie gar nicht mehr daran denken, irgendwie sehr bekannt vorkommen werden.
Vielen Dank.

Lesung

Katharina Bauer, Dortmund
Barbara T. Pohle, Berlin
lesen aus ihrem Lyrikprojekt

„immer bin ich die Küste
die keiner Linie folgt”

Musikalische Begleitung:
Christopher Bihn

Sonntag, 21. Januar 2007 – 16 Uhr
Bikinihaus – ehemals Staatliche Kunsthalle Berlin

Moderation:
Anke Bihn
Waldtraut Lewin

Adresse
“Bikinihaus” – ehemals Staatliche Kunsthalle Berlin
Budapester Str. 46 – 3. OG
10787 Berlin